Rückblick – 2 Jahre Motorradreise.TV

Ja sind wir denn wahnsinnig? Jetzt machen wir das hier schon zwei Jahre lang, aber eigentlich war das doch gar nicht geplant…

Gerade entsteht die 24. Folge von unserer Sendung Motorradreise.TV und vor Kurzem haben wir auf der Intermot in Köln unser kleines zweijähriges Jubiläum gefeiert. Wir haben in diesen beiden Jahren Laufen gelernt, haben viel erlebt und uns ganz schön weiterentwickelt. Trotzdem haben wir immer noch nicht das Gefühl „erwachsen“ zu sein, und das meine ich im positiven Sinne.

Aber eigentlich war das gar nicht geplant, dass sich jetzt unser Leben und unsere Arbeit rund um das Motorrad dreht. Hätte ich mir vorher Gedanken gemacht was daraus wird, ganz ehrlich, ich hätte es mir wohl gründlich überlegt oder sogar viel zu viel Angst gehabt, das Projekt Motorradreise.TV zu starten.

Was war da bloß passiert?

Es fing an mit meiner ersten Reise nach Kroatien im Jahr 2010, dann folgte ein harter Schnitt in meinem Leben, ich ging 2011 wieder auf Reisen, diesmal quer durch die Türkei, bis zur iranischen Grenze und zurück. Ich habe mir in diesem Lebensstil als freiheitsliebender Rumtreiber gefallen, musste aber zeitgleich an den Job zu Hause und die Sicherung meines Lebensunterhalts denken. Zunächst noch im sicheren Angestelltenverhältnis folgte dann, Ende 2011 der nächste wichtige Schritt, nämlich der in die Selbstständigkeit. Im Medienumfeld „aufgewachsen“, als kreativer Designer und Entwickler kamen zwar die Aufträge junger Start-Ups nicht zu kurz, dafür blieb wenig Zeit für meine Leidenschaft auf zwei Rädern und so musste ich lernen, wie schwierig es ist, sich gezielt die Zeit dafür zu nehmen.

Das Fernweh wuchs, ich bastelte an meinem ersten YouTube Video 11.500 Kilometer bis zum Ziel und hatte mittlerweile eine beachtliche Sammlung von anderen Reisevideos zusammengetragen. In langen Nächten entstand mit dem Laptop auf der Couch die erste Version der Internetseite von Motorradreise.TV – eine Plattform auf der ich meine Playlists von YouTube automatisch ausgeben konnte – und kurz vor der Intermot 2012 ging diese dann tatsächlich online.

So sah es hier am Anfang aus.

So sah es hier am Anfang aus.

Nur eine Sammlung von Videos Anderer war mir dann aber doch zu wenig an eigener Leistung für das Potential, was ich hinter der Seite erahnte. Also bin ich kurzerhand mit meiner Freundin Canan auf die Messe nach Köln gefahren und habe dort mit ihr die erste Folge aufgenommen. Ganz schön seltsam, wenn man so gut wie niemanden dort kennt, man selbst kritisch begutachtet wird und irgendwie versucht was interessantes auf die Speicherkarte zu bringen. Aber es hat geklappt. Die erste Folge ging online und wir hatten tatsächlich Schiss, von der Motorradgemeinde übel verhauen zu werden. Jetzt gab es halt kein Zurück mehr und wir warteten gespannt auf das erste Echo aus dem Netz. Das das gleich so positiv ausfiel hat uns doch stark gewundert und schnell wuchs der Wunsch unter den ersten Zuschauern, bald wieder eine Folge sehen zu können. Das war der Zeitpunkt an dem wir ratlos waren.

Die erste Moderation der ersten Sendung. Das guckt sich doch nie im Leben jemand an.

Die erste Moderation der ersten Sendung. Das guckt sich doch nie im Leben jemand an.

Scheiße, jetzt müssen wir das öfters machen.“ war nur einer meiner Gedanken. Eigentlich passt dieser enorme Zeitaufwand, den wir für die Produktion weiterer Folgen im Kopf grob überschlagen hatten gar nicht zu den restlichen Projekten und Terminen, die ich für meine Kunden einhalten musste und gerade als Selbstständiger nach gerade mal einem Jahr kann man wirklich noch nicht von einem gefestigten Kundenstamm reden, der einem ein sicheres Einkommen verspricht. Also hieß es ganz schnell zu improvisieren. Inhalte für die nächste Folge waren schnell gefunden, Drehtermine für die Wochenenden ausgemacht und der Platz am Schnittrechner wurde in den nächsten Wochen überwiegend zur Nachtschicht genutzt. Jetzt bekam der alte Spruch „Selbst und ständig“ eine ganz neue Bedeutung. Vor allem das Wort „ständig“, denn ständig gab es was für das neue Projekt zu tun.

Nach drei Folgen musste dann eine Entscheidung her

Die Zugriffe auf unserem Channel wuchsen, ihr wolltet mehr und ich überlegte mir ernsthaft, ob ich das überhaupt kann. Denn die Wahl vor der ich stand hieß: Entweder Geld verdienen, oder Motorradreise.TV machen. Es fand sich dann schließlich doch ein gesunder Mittelweg. Die Drehtermine wurden gezielt auf freie Slots im Kalender gelegt, die Postproduktion fand zu festgelegten Zeiten statt und so konnte ich unter Wegfall jeglicher Freizeit beides unter einen Hut bringen.

Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt wo es wirklich um was geht

Zu Beginn 2013 sah es so aus, als würde dieser Mittelweg auf absehbare Zeit auch funktionieren. Zwar mit echt harten Einschränkungen in Sachen Verdienst und Privatleben verbunden, aber irgendwie machbar. Schnell war dieses Gefühl aber verflogen, spätestens als ich am Ende des Monats mal wieder darüber nachdenken musste, wie es im nächsten Monat weitergehen soll. Immer öfters habe ich mich dabei erwischt, wie ich von meinen festgelegten „Motorradreise.TV-Zeiten“ abgewichen bin und eigentlich mehr Zeit reingesteckt habe, als ich mir leisten konnte. Alleine würde ich das nicht mehr lange schaffen und so haben Canan und ich dann beschlossen, dass sie ihren Job aufgibt und bei mir arbeitet. Die Idee dahinter war, dass ich dann mehr Zeit hätte mich um die Kunden zu kümmern und Canan als Frau vom Fach den zeitintensiven Teil der Postproduktion übernehmen würde. Gesagt, getan und somit wuchs natürlich auch der Druck, neben der Sendung noch weitere Aufträge an Land zu ziehen, schließlich mussten wir jetzt beide davon leben.

Von etwas zu leben geht immer irgendwie.
Aber für etwas zu leben ist ein hartes Brot.

Mit der neuen Situation, 24/7 aufeinander zu hocken sind wir von Anfang an gut klargekommen und in den ersten Monaten ging unser Plan von der Arbeitsteilung auch gut auf. Unsere Sendung wuchs weiter und wurde auch von den ersten Firmen aus der Motorradbranche wahrgenommen. Die Suche nach Sponsoren für unser Programm begann und wir legten uns mächtig ins Zeug um unsere Sache weiter auszubauen. Vielleicht habe ich mich zu diesem Zeitpunkt zu sehr ins Zeug gelegt, denn immer mehr meiner Zeit floss in unsere Onlinekanäle und so machte ich irgendwann einen harten Schnitt mit einer Subkultur aus Jungunternehmern, die mir mit ihren neuen Geschäftsideen zwar immer wieder gute Aufträge bescherten, die aber mittlerweile so weit von meinem Blick auf die Welt entfernt waren. Ich hatte die Schnauze voll von den vermeintlich nächsten „Mark Zuckerbergs“ dieser Welt, die zwar gerade im Begriff waren, ein BWL-Studium abzuschließen, aber scheinbar den gesunden Bezug zu echten Werten verloren haben.

Mit diesem Schnitt habe ich uns dann ziemlich schnell in eine echte Kriese befördert, denn natürlich fiel schlagartig ein großer Teil des Einkommens weg. Die dadurch gewonnene Zeit und das bisschen Reserve auf dem Konto sollten noch für ein paar Monate reichen und wir machten uns Gedanken, was wir mit der Zeit anfangen könnten. Zu zweit im Team konnten wir uns jetzt mehr auf die ersten kleinen Videoproduktionen konzentrieren und hielten uns damit über Wasser. Trotz den Schwierigkeiten war es ein gutes Gefühl, nun mehr und mehr für die eigene Sache zu leben und sich etwas aufzubauen. Zwar gegen jegliche Vernunft, dafür aber mit umso mehr Einsatz, Willen und Freude.

Gegen jegliche Vernunft? Beim URAL Gespann kann man da geteilter Meinung sein.

Dass wir einige Zeit die Zähne zusammenbeißen mussten, hat sich dann gegen Ende 2013 nach einigen Höhen und Tiefen gelohnt und so konnten wir mit POLO Motorrad unseren ersten Partner für die Sendung gewinnen. Mit dem neu gewonnen Rückenwind und dem positiven Feedback von euch ging es von nun an mit noch mehr Einsatz weiter. Spannende Themen, Reisen und Interviewgäste für die Sendung, daran hat es in der ganzen Zeit nicht gefehlt und so fühlten wir uns bestätigt, dass es sich lohnt, eine Durststrecke in Kauf zu nehmen um erfolgreicher zu werden. Kurz danach begrüßten wir Touratech als zweiten Partner mit an Board und wir nahmen weiter Fahrt auf. Wer jetzt denkt, dass wir damit sorgenfrei leben könnten, der irrt sich, und so hatten wir zwar Unterstützung gewonnen, müssen aber trotzdem immer noch hart für unseren Lebensunterhalt kämpfen. Davon leben, das geht immer irgendwie, aber gerade in den Zeiten für Motorradrreise.TV zu leben, in denen es eigentlich jeglicher Vernunft widerspricht, das ist ein hartes Brot.

Aber wie das bei den schönen Dingen des Lebens so ist, man nimmt viel dafür in Kauf und so überwiegt auch heute noch, zwei Jahre nach der ersten Sendung die Begeisterung und die Leidenschaft die in unserem Projekt steckt. Und wer sich an die ersten Folgen erinnert, dem fällt vielleicht auf, dass wir uns ständig weiterentwickeln und neue Sachen ausprobieren. Wir haben unser Leben in den letzten beiden Jahren kräftig umgekrempelt und gezeigt, wo unser Herz schlägt. Mit euch als unseren Zuschauern, Lesern und Fans möchten wir noch viele weitere Folgen und so Manches andere erleben. Wir sind total gespannt, was wir wohl in zwei Jahren an dieser Stelle schreiben würden, zwar haben wir natürlich unsere ganz eigenen Pläne, Wünsche und Vorstellungen, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass es immer irgendwie anders kommt und das muss nicht immer schlecht sein.

Anstatt „Happy Birthday Motorradreise.TV“ sagen wir lieber „Happy Birthday liebe Fans“, denn euch gibt es genau so lange wie uns und wir freuen uns auf viele weitere Geburtstage mit euch!

Und jetzt natürlich noch etwas in eigener Sache… Um unser Format weiter voranzutreiben, benötigen wir eure Unterstützung. Nein, ihr sollt uns nichts spenden (auch wenn wir da nichts dagegen haben), sondern wir wünschen uns, dass ihr aktiv bei unserem Programm dabei seid. Wie das geht? Dazu gibt es viele Möglichkeiten… Werdet Fan auf unserer Facebookseite, folgt uns auf Twitter und auf google+ und ganz wichtig – abonniert unseren kostenlosen YouTube Kanal und natürlich unseren monatlichen Newsletter.

Warum ihr das machen solltet? Auf der einen Seite ist es schön zu sehen, wenn wir noch mehr Fans, Follower und Zuschauer haben, aber wir wollen nicht einfach nur eure Klicks in irgendeiner Statistik sehen und uns monatlich an megahohen Zahlen aufgeilen – dann würden wir übrigens inhaltslose Wheelie-Videos, Crash Compilations oder aufgezeichnete Auseinandersetzungen mit Forst- & Polizeipersonal produzieren – sondern wir möchten einfacher mit euch in Kontakt kommen, euer Feedback hören und nach Möglichkeit auch neue Ideen mit euch entwickeln. Schon jetzt bekommen wir eine Menge Zuschriften von euch und wir bemühen uns auch alles recht schnell zu beantworten, über unsere Kanäle in den sozialen Netzten geht das einfach besonders schnell und unkompliziert.

Was wird Motorradreise.TV im Jahr 2015 bringen?

Viel verraten können wir euch natürlich noch nicht, aber wir arbeiten seit einiger Zeit an spannenden Projekten, die über den Reiseteller hinausblicken, es wird was für Technikfreaks dabei sein und natürlich versuchen wir uns so oft es nur geht, uns heimlich aus dem Büro zu schleichen und ein paar weitere Reiseberichte á la Polen, Norwegen und Westalpen zu drehen.

Seid dabei und hängt euch dran, hier gibt’s nochmal alle Links rund um unsere Sendung:

Motorradreise.TV auf Facebook
Motorradreise.TV auf YouTube
Motorradreise.TV auf google+
Motorradreise.TV auf Twitter
Motorradreise.TV Newsletter

Unser Partner POLO Motorrad
Unser Partner Touratech

Wir freuen uns auf eine geile Zeit mit euch!

Bis dahin, alles Gute und stets gute Fahrt.
Euer Stefan

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5 Comments

  1. Hallo Ihr beiden :-) , mal ein ganz dickes Lob an Euch, denn Ihr macht Eure Sache echt gut und ich freue mich auf jede Ausgabe von Motorradreise.TV.
    Auch das Ihr den Weg der Selbstständigkeit gewählt habt ist heute nicht selbstverständlich, aber dafür bestimmt Ihr den Inhalt und der Erfolg gibt Euch recht.
    Alles Gute und bis zur nächsten Folge :-) , Grüße Müsli

    • Lieben Dank für den Kommentar, sowas lesen wir gerne :)
      Das nicht immer alles einfach ist, macht die ganze Sache für uns umso lohnenswerter, wenn wir Fortschritte machen.

      Also, bis bald zur nächsten Folge.
      Grüße
      Stefan

  2. Hallo,

    alles Gute zum 2ten Geburtstag. Echt der Wahnsinn was Ihr da allmonatlich auf die Beine stellt. Ich glaube ich habe fast alle Folgen gesehen und freue mich auch schon immer auf den nächsten Monat 😉 Euer Konzept ist wirklich gelungen, tolle Berichte, Interviews und so Sachen wie mit der Restaurierung der XR600… Klasse! Bunter Mix! Wünsche euch weiterhin viel Erfolg und haltet die Ohren oben!

    Viele Grüße
    Alex

  3. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich seit der 1. Folge dabei bin, aber irgendwo gabs eine Empfehlung und nachdem ich eine Folge sah, war das Abo sicher.
    Seitdem freue ich mich immer auf die neueste Folge.

    Vielen vielen Dank für die tolle Arbeit, macht weiter so.

  4. Wirklich super was ihr beiden macht! Jede Folge macht immer wieder aufs neue Spaß! Weiter so :)

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